Transkript
Inwieweit hilft es mir bei meiner Arbeit,manchmal ganz bewusst blauäugig zu sein?
Das Schöne ist, das passt ja sowohl zum Outfit, als auch zu meinen Augen,als auch zu dieser grandiosen Brille.
Ich bin blauäugig in dem Sinne, dass ich manchmal ein bisschen naiv bin.
Nein, ich bin blauäugig, weil ich sage, zu jeder Person gibt es den passenden Job und das passende Unternehmen.
Und ich weiß, dass das nicht zwingend die Realität abbildet.
Ich bin auch eine sehr, sehr realistische Person, was das angeht.
Manche Menschen haben einen Job, um Geld zu verdienen, weil dieses Geld die Miete und die Brötchen bezahlt.
Ich glaube trotzdem, dass es einfach sehr, sehr hilfreich ist, als Unternehmen das Angebot, nämlich den Job, so gut zu beschreiben, dass sich Menschen, die genau so etwas suchen, überhaupt bewerben können.
Und so bin ich tatsächlich auch zu dem Thema Stellenanzeigen gekommen, weil ich eine Zeit lang überlegt habe: Möchte ich eigentlich Bewerbenden helfen oder möchte ich Unternehmen helfen?
Aber wenn ich das System ändern möchte – und ja, auch das wieder sehr blauäugig, so ein Personalthema zu ändern –, wenn ich das möchte, muss ich bei den Unternehmen ansetzen.
Die müssen realistisch beschreiben, was sie haben, was sie anbieten können.
Und nur dann haben Menschen außerhalb des Unternehmens die Chance, sich darauf bewerben zu können und diesen Job wollen zu können und sich dafür auch begeistern zu können.
Und ich weiß, dass nicht jeder Job besonders toll ist.
Das ist aber total eine Frage der Sichtweise.Ich hatte eine Kundin aus dem Finanzbereich und die wollte unbedingt dieses Buzzword „belastbar“ in den Anforderungen haben.
Ich habe gesagt: Ganz ehrlich, es gibt belastende Jobs.
Ich persönlich möchte nicht in der Pflege, zum Beispiel, arbeiten, wo ich täglich, zum Beispiel in einem Krankenhaus, damit zu tun habe,dass Menschen einfach sterben.
Und das ist ein psychisch wahnsinnig belastender Job.
Da gibt es auch viele andere Beispiele, die psychisch wahnsinnig belastend sind.
Und dann gibt es Handwerkerjobs, wie so ein Parkettleger oder Mauerer oder was auch immer.
Das sind körperlich sehr belastende Jobs.Da muss ich täglich viele Kilos schleppen.
Bei diesen Stellen würde ich sagen, ja, da ist eine gewisse Belastbarkeit gefordert.
Aber auch diese Menschen machen ihren Job gerne.Und der Handwerker, der bei mir zu Hause vorbeikommt und gesagt hat: „Nein, er war heute schon im Gym“, wo ich mir denke: „Wie bitte?“ Der Job ist doch schon super anstrengend.
Auch noch Sport davor.Und ich denke: Das war für den völlig okay, weil der Job,da gehörte körperliche Ertüchtigung dazu.
Und zurück zu dem Beispiel Finanzbranche.Ja, das mag in manchen Zeiten wahnsinnig stressig dort sein.
Und das kann man auch ganz klar sagen und ganz klar reinschreiben.
Wir haben eine Busy Season, die geht aufgrund des Geschäftsjahres von,was weiß ich, November bis Februar.
Ich habe eine Freundin in der Wirtschaftsprüfung, zu der Zeit kann man bei denen nicht anrufen. Das ist einfach so.
Aber die findet ihren Job super.Die findet das nicht belastend.
Die findet das zu der Zeit ein bisschen stressiger.
Das mag sein, aber das heißt nicht, dass sie ihren Job belastend findet.
Und das ist dieses Ding mit der Blauäugigkeit.Ich glaube, dass Menschen einerseits herausfinden müssen,was sie gerne machen möchten und wofür sie geschaffen sind.
Das ist aber die Arbeit von Bewerbungscoaches.Das ist genau das, wogegen ich mich entschieden habe.
Und dann gibt es die Unternehmensseite, die bitte, bitte doch reinschreiben:Was gibt es denn da zu tun?
Was ist denn das Tolle an dem Job?Mein Tipp ist an der Stelle: Lass das doch nicht Recruiting schreiben, sondern lass das bitte jemandem schreiben, der diesen Job aktuell macht.
Ein Jobinhaber weiß tatsächlich am besten, wie der Job funktioniert, was an dem Job toll ist und was vielleicht auch nicht so toll ist.
Und genau diese Dinge kann man dann gemeinsam formulieren und in eine Stellenanzeige bringen.
Und damit haben wir einfach viel größere Chancen, dass sich die Richtigen treffen,weil genau das ist ja das, was eine Stellenanzeige macht.
Sie gibt ein Angebot, sie zeigt eine Stelle an und die muss gefunden werden.
Das ist Schritt eins.Und dann muss sie die richtige Person sehen und sie toll finden.
